Startseite | Sitemap | Impressum | Hilfe
 
Suche:
 
 
   
DGRA INTRANET
 
   
Hier finden Sie interne Informationen für Mitglieder.
Name:
Paßwort:
Paßwort vergessen?
   
GESCHÄFTSADRESSE:
 
   
Adenauerallee 15
D-53111 Bonn

Tel.: 0228 / 368264-6
Fax: 0228 / 368264-7
E-Mail: info@dgra.de
 
DANKESREDE VON PROF. DR. ROLF BASS ZUR PREISVERLEIHUNG 2007
Bemerkungen anlässlich der Verleihung der Cyran-Medaille
Haus der Geschichte, Bonn 12. Juni 2007
Rolf Baß, Berlin
 
Bemerkungen und Erkenntnisse aus meinen mehr als 28 Jahren Erfahrung in und mit „kompetenten Behörden“ und deren Umgang mit dem Kunden, der pharmazeutischen Industriesind im“ Haus der Geschichte“ sehr wohl angebracht! Dear friends and colleagues: In the German „Haus der Geschichte“ it seems appropriate to make such presentation in German, those may please forgive me, who would prefer to listen to my presentation in English we can discuss the details later.

Ende der siebziger Jahre überwog für mich die tatsächlich wissenschaftliche Bearbeitung präklinischer Zulassungs- oder Pharmakovigilanzunterlagen im Arzneimittelinstitut (AMI) des Bundesgesundheitsamtes (BGA) nach deAnforderungen und Möglichkeiten des AMG von 1976. Sehr bald kam das Abfassen von „Guidelines“ hinzu, die erstmalig harmonisierte Vorstellungen über die Anforderungen präklinischer Untersuchungen und methoden für die damals noch ganz schön kleine EU erarbeiten und formulierten (Merkposten zur Erinnerung: in jenen Jahren gab es z.B. auch einen Peter Grosdanoff, genannt das „Schwarze Loch“, in dessen Büro jedwede Unterlagen schnell und zuverlässig verschwanden und einen Klaus von Eickstedt, dessen Aktenschrank Ende 1977 unter der nicht bearbeiteten Papierlast zusammenkrachte auch geeignet zum Verschwindenlassen der Unterlagen). Die Guidelines wurden in die „Internationale Konferenz zur Harmonisierung der Anforderungen zur Arzneimittelzulassung“ (ICH) eingebracht. In ICH durfte ich federführend sein für die Gudeline zur Reproduktionstoxikologie basierend auf meiner Universitätsausbildung bei Prof. Dr. med. D. Neubert. Gemeinsam mit dem verstorbenen Prof. Dr. med. G. Zbinden konnte ich die LD50 in der präklinischen Arzneimittelprüfung abschaffen (Cytostatika als Ausnahme bestätigen diese Regel). Um die wissenschaftliche Arbeit nach harmonisierten Bedingungen herum entwickelte sich deren Verwaltung: „Regulatory Affairs“ als Logistikverein in Behörden und für die Firmen: Vermittlung der Notwendigkeit der Anwendung dieser „Notes for Guidance“ wann und in welchem Umfang (Erziehung der Treppenterrier). Das war die Geburtsstunde der „Notice to Applicants“ (NtA), deren häufige Neufassung seitdem Generationen und Hekatomben von Behörden- und Industriemitarbeitern regelmäßig verzweifeln oder hoffen lässt. In diese Ära gehören auch die berühmt-berüchtigten Firmenanhörungen zur Arzneimittelsicherheit unter Georges F. (Prof. Dr. med. G. Fülgraff, Präsident des BGA) Herr Sträter als damaliger Leiter des BGA-Rechtsreferates kann mehrere Strophen und fröhliche Lieder davon singen. Aristolochiasäure, Sexualhormone, …

Diese Zeit war jedoch viel zu schön, um noch mehr davon zu erzählen, Sie würden glatt in Tränen ausbrechen! Lassen Sie mich bitte möchte übergehen auf Europa und das BfArM und dabei auch die DAMA nicht vergessen.
  • Die (und auch meine) europäische Zentralisationsphase
  • Die (und auch meine) europäische Dezentralisationsphase
  • Die (und nicht meine) möglicherweise BfArM zu DAMA Phase.
1.
1995 begann bei den Arzneimitteln die europäische Zentralisation, weg vom nationalen und hin zum europäischen Gehabe. Wie kam es dazu? Diese Entwicklung wurde vehement von der Europäischen Kommission geschürt und das Feuer dann weiter angefacht und ausgenutzt. Das Ende der achtziger Jahre angedachte und angestoßene Gesetzgebungsverfahren für Arzneimittel in Europa war zwar extrem langwierig (wir nennen das Demokratie die Kommission nannte das Sauerei) , aber schließlich war die Geburt des pharmazeutischen Europa in 1993 eine für 1995 beschlossene Sache. Wie dem und auch mir war, es war tatsächlich die große europäische Einheitswelle, und wir waren fast- alle voll dabei. Zu Recht! Der Qualitätssprung und Quantitätssprung der Handhabung der Anträge auf Zulassung als Arzneimittel, der für biotechnologisch hergestellte und sogenannte innovative Arzneimittel 1995 begann, war immens und sogar die FDA bekam Angst vor diesem Europa, na ja vielleicht auch nicht. Ende 1995 wurden von der Kommission die ersten 3 von der EMEA bearbeiteten zentralen europäischen Zulassungen ausgesprochen und im „Official Journal“ veröffentlicht. Diese Zulassungen haben bis heute Bestand, die Firmen jedoch nicht! Schieflagen waren nicht erlaubt, sie wurden von Fernand Sauer (dem ersten „Verwaltungsdirektor der EMEA“) glattgebügelt, bis auf die Schieflagen der europäischen Artikel 12 Verfahren zur Arzneimittelsicherheit. Diese Verfahren liefen eigentlich immer unrund. Ganz besonders die Anorektika Verfahren, die schließlich zum Seriendesaster für die Europäischen Kommission und Fernand Sauer führten, aber auch für mich nicht gerade nützlich waren. Frau Sickmüller wird sich an mein Credo und den mit ihr vorab ausgehandelten Kompromiss zur Durchführung realer und realistischer klinischer Studien erinnern, deren Ergebnis die Zulassung dieser Arzneimittel sachlich und sauber gestützt oder beendet hätte. Es kam anders, die Anorektika sind heute noch da ohne Daten, pfui, möchte ich sagen! Die Verfahren vor dem „Europäischen Gerichtshof“ sind ein Lehrstück dafür geworden, dass persönlicher und Kommissionshochmut vor dem Fall kommt!

 
Insgesamt wurden in dieser Ära viele rund laufende Räder erfunden, gebaut und eingebaut in ein schönes Räderwerk , angetrieben von der EMEA. Hierzu gehört auch die sachliche und persönliche Dominanz von Europa bei ICH was heute anders geworden ist.

In dieser Ära wurde die einheitliche und europäisch einzige (ja, einzigartige) Zulassung Realität: dies markiert den Beginn eines partiellen „Single Market“. Gleichzeitig begann das zentrale Aushebeln der Blockaden mithilfe des nationalen vetobewährten Gesundheitsinteresses: die Definition für „Serious Risk to Public Health“ knirschte zwar noch und die Mitgliedstaaten zerrten am Gummiband, aber der Weg zur heute gestrafften Situation wurde gepflastert.

2.
2000 begann meine dezentrale Phase, überwiegend als CPMP-Mitglied. Mir und vielen anderen begann zu dämmern, dass die Kärrner Arbeit von den kompetenten Behörden und ihren internen/externen Experten geleistet wird, ohne die gar nichts geht. Zentrale Koordination bei der EMEA war und bleibt sinnvoll. Besonders durch die Ankunft des Dutzends neuer Mitgliedstaaten wäre es noch schwieriger geworden, ohne die EMEA Einstimmigkeit zu erarbeiten: das Unterordnen einzelstaatlicher Interessen unter das europäische „Public Health“ System bleibt vielfältig. Die Janusköpfigkeit der zentralen/dezentralen Anliegen ist und bleibt jedoch, dass -je schwerer sich die Mitgliedstaaten mit der einheitlichen Formulierung ihrer gemeinsamen Interessen tun- die Kommission mit der EMEA im Schlepptau es umso leichter hat, die Gegner der Zentralisation durchs Dorf zu treiben und zu erlegen.

Der 10 jährliche Rhythmus zur Überarbeitung der europäischen Gesetze ist ein natürlicher und beruht auf der Kraft des Faktischen: 5 Jahre müssen die neuen Gesetze ausprobiert und angewandt werden, darunter geht nicht! Anschließend braucht das neue Gesetzgebungsverfahren wiederum 5 Jahre bis zur Verabschiedung der Entwürfe. Dieser Rhythmus scheint ausreichend lang, überfordert jedoch die Mitgliedstaaten: anstatt 5 Jahre zur Anwendung zu benutzen, benötigen etliche nationale Administrationen etliche Jahre davon um die neuen Gesetze zu implementieren: in dieser Zeit laufen die neuen Gesetze noch nicht rund weder in den betroffenen Mitgliedstaaten noch in Europa. Alle Mitgliedstaaten hetzen hinterher, während die Kommission bereits die nächste Runde eingeläutet hat. So kann man beobachten, dass die Mitgliedstaaten nicht wissen, was sie als Nächstes tun sollen oder gar wie es denn zu machen wäre.

Nach außen wurde in dieser Zeit besonders das BfArM in den Dreck gezogen, die Industrie hätte am liebsten eine Art Morgenthau Plan durchgesetzt. Schließlich kam kein Marshall Plan dabei heraus, sondern eine Art von Münchhausen Plan, und das BfArM zog sich tatsächlich selbst aus dem Dreck. BfArM und PEI erkannten den „Added Value“ von nationalem Scientific Advice und die pharmazeutische Industrie auch! So und überhaupt haben wir nach innen und außen gewirkt, gearbeitet und den europäischen Ruf neu geschaffen, erfolgreich Aquisition zentraler Verfahren betrieben und mit den Dossiers wissenschaftlich gearbeitet, obwohl sich die Berlin-Bonner Balken zum Donnerbalken bogen und partiell wegbrachen (mehrfache Interpretation möglich und von mir erwünscht!).

Insgesamt war dies Phase für das BfArM besser als sein Ruf. Am Ende dieser Phase erkennen wir für Europa und seine Mitgliedstaaten drastische Anstiege bei der Bürokratie (betreffend Gesetze, Regulatory Affairs und wissenschaftliche Anforderungen), bei den Kosten und beim Business Hürden. Wie sich das in der Implementierung der pädiatrischen Gesetzgebung der EU auswirken wird, bleibt für mich zunächst noch offen (Befürchtungen habe ich jedoch schon, dass es auch hier zur Überbürokratisierung und zum Schreien auf dem falschen („Incentives „) Bein kommt. Die Folge könnte man sich schon jetzt prophylaktisch ausmalen: Generika mit gesetzlich abgesegneten und datengeschützten neuen pädiatrischen Indikationen laufen den neuen Arzneimitteln mit verlängertem Patentschutz den Rang ab (da es nicht oft gelingen dürfte, die pädiatrisch verlängerte Patentlaufzeit rechtzeitig genug in Gang zu bringen um die hier angebotenen „Incentives“ abzusahnen). Unter dem Strich bedeutet dies in jedem Fall und für uns Alle eine enger werdende Zwangsjacke der Zentralisierung.

3.
Die dritte Phase dauert an. Ich habe sie (weit ab vom Schuss) in Warschau bei meinen Twinning Projekten verbracht und jetzt bin ich in Pension und klopfe dumme Sprüche! Eigene Interessen kann mir keiner (mehr) unterstellen. Den chamäleonhaft wechselnden Status des BfArM und die Aussichten der Mutation zur DAMA (in der Toxikologie führen Mutationen meist zur Beerdigung von Entwicklungsprojekten) entnehme ich der Presse. Meine Meinung dazu habe ich in einem Schreiben an die Frau Vorsitzende des Gesundheits-Ausschusses des Deutschen Bundestages formuliert.

  • Eine Schieflage zwischen BfArM (DAMA) und PEI muss vermieden werden, insbesondere die Pharmakovigilanz stünde sonst national und europäisch auf unterschiedlich großen und beschuhten Füßen. Hier der große Blonde mit dem schwarzen Schuh und dort …
  • Einer noch stärkeren Industrieabhängigkeit müsste dadurch vorgebeugt werden, dass die Industriefinanzierung der Zulassung durch eine Finanzierung des Risk-Management über Jahresgebühren ergänzt wird.
  • Tatsächliche Unabhängigkeit der aus Steuergeldern zu bezahlenden Pharmakovigilanz erscheint machbar, aber nur dann, wenn sie nicht unterschiedlich ausgeprägt bliebe für PEI und DAMA. Zumindest die Pharmakovigilanz beider Institutionen müsste also zusammengelegt werden: direkt unter dem DAMA Dach - mit unabhängig direkt an der Spitze aufgehängter Pharmakovigilanz. Darunter könnten sich einer oder mehrere Zulassungsarme / - Institute tummeln, je nachdem wie weit eine deutsch-interne Zentralisierung greifen sollte.
Dies ist meine persönliche Meinung. Aus juristischen Argumenten halte ich mich absichtlich heraus, verwiese aber auf die wachsende Literatur.
Am Ende meiner Ausführungen zur ersten Phase wies ich bereits auf die Bedeutung der Realisierung des Single Market für Pharmazeutika hin: „Single Marketing Authorisation“ und „Zurückdrängen der nationalen Vetomöglichkeiten“. Diese werden inzwischen ergänzt durch die teilweise Aushebelung der Patentmöglichkeiten durch die spezielle Generikagesetzgebung für Arzneimittel. Insgesamt geht es meiner Meinung nach weg von der früheren Maxime „Neue und bessere Arzneimittel für Einige“ hin zu der neuen Maxime „Alte und billigere Arzneimitteln für Alle“ angetrieben und beschleunigt von den neuen Mitgliedstaaten. Auch hier taucht die Frage „Quo vadis, Pädiatrie“ wieder auf. Dies wird die Kommission weiter umtreiben. Die nationalen Behörden und die Industrie sollten sich mit diesen Fragen befassen, bevor die Gesetzesentwürfe dazu auf dem Tisch liegen. Die zur Abänderung der einmal vorgelegten Kommissionsentwürfe erforderliche Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten wird sich in Zukunft bei diesem Thema nicht mehr erreichen lassen.

Ich danke Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit. Falls gewünscht, werde ich gerne mit Ihnen weiterdiskutieren. Der DGRA möchte ich zum Schluss ganz herzlich für die Ehre danken, ddass mir die Walter-Cyran Medaille heute verliehen wird. Dieser Preis hat in Deutschland gewicht um so lieber nehme ich ihn an! Herzlichen Dank, Ihnen Herr Granzer und der ganzen DGRA.

 
« zurück
 
nach oben drucken weiterempfehlen
 
Studiengang (M.D.R.A.)
Abschluß: Master of Drug
Regulatory Affairs
mehr Informationen »
DGRA-Fortbildungen:
DGRA Schools:

21. - 22. März 2012
DGRA-School | Zulassung USA

DGRA Workshops:

06. März 2012
Variations

28. - 29. August 2012
Update Workshop

27. November 2012
Therapeutische Vaccine

Jahreskongresse:

30. - 31. Mai 2012
DGRA-Jahreskongress 2012

mehr Fortbildungen »
Job-Börse:
Angebot vom 09.12.2011
Labeling-Manager im Bereich Zulassung/ Qualität (m/w)

Angebot vom 09.12.2011
Associate Manager Regulatory Affairs (m/w)

mehr Stellenangebote »
© 2011, DGRA e.V.
Letzte Aktualisierung am:
Freitag, 22.06.2007