Verleihung der Walter-Cyran-Medaille 2026
Dr. Susanne Keitel
Anlässlich des 28. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Regulatory Affairs wurde am 19. Juni 2026 im Hilton Hotel in Frankfurt Gravenbruch die Walter-Cyran-Medaille an Dr. Susanne Keitel verlliehen.
Laudatio für Dr. Susanne Keitel zur Verleihung der Walter-Cyran-Medaille
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Susanne,
es ist mir eine ganz besondere Freude den 2. Tag des Jahreskongresses der DGRA mit einem besonderen Ereignis beginnen zu dürfen – nämlich der Verleihung der Walter-Cyran-Medaille. Heuer wird diese Medaille an Frau Dr. Susanne Keitel verliehen. Es ist mir eine große Ehre die Laudatio dazu, für eine Persönlichkeit zu halten, die ich seit fast 3 Jahrzehnten kenne. Was als berufliche Begegnung begann, ist über die Jahre zu einer kollegialen Verbundenheit und schließlich zu einer echten Freundschaft gewachsen.
Wenn man auf deinen beruflichen Weg blickt, liebe Susanne, dann sieht man nicht nur eine beeindruckende Karriere – man sieht eine Persönlichkeit mit Neugier, Durchhaltevermögen und dem Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Dein Weg begann mit dem Studium der Pharmazie an der Freien Universität Berlin, das du 1982 mit der Approbation als Apothekerin abgeschlossen hast. Es folgten Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie – und deine Promotion 1987.
Im Anschluss hast du den Schritt in die Pharmazeutische Industrie gewagt: bei Schering in Berlin, zunächst in der pharmazeutischen Entwicklung, später als Abteilungsleiterin mit Verantwortung für orale Darreichungsformen. Für dich war immer die internationale Zusammenarbeit von großem Interesse, und du schreckst auch nicht vor komplexem Projektmanagement zurück. Nicht genug – dein Interesse galt auch der Begleitung anspruchsvoller GMP-Inspektionen.
Nach 10 Jahren in der Industrie hast du 1997 ins BfArM gewechselt .
- Als Leiterin der Abteilung „Pharmazeutischen Qualität“, warst du verantwortlich für die Qualitätsbeurteilung aller Zulassungsanträgen im Geschäftsbereich des BfArM.
- Wichtig waren auch deine Erfahrungen auf dem Gebiet der GMP-Inspektion, und so warst du verantwortlich für die Inspektionen im Rahmen der Zulassungsverfahren,
- In deinen Aufgabenbereich fielen auch die Erarbeitung von Standardzulassungen und die
- Beiträge für Arzneibücher, so warst du Vorsitzende der Deutschen Arzneibuch- und der Deutschen Homöopathischen Arzneibuch-Kommission.
Schon kurz nachdem du im BfArM angefangen hast, wolltest du auch wieder international gestaltend tätig sein – du wurdest die Vertreterin Deutschlands
- in der QWP, sowie
- EMA „Ad hoc Group of GMP Inspection Services“,
- EU Topic Lead „Pre-Approval Inspections“ in der Erarbeitung der Mutual Recognition Agreements zu GMP mit Kanada und den USA.
Du warst auch immer eine gefragte Präsentatorin bei Kongressen und Tagungen und so haben wir uns 1998 bei einer Tagung näher kennen gelernt.
Eines zieht sich wie ein roter Faden ganz klar durch deinen beruflichen Weg: die Qualitätsbeurteilung von Arzneimitteln. Ein Aufgabenbereich, der für dich über Jahrzehnte hinweg faszinierend und herausfordernd war.
Von 2003 bis 2005 wurdest du im BfArM zusätzlich mit der kommissarischen Leitung der Abteilung Europäische Verfahren betraut und somit verantwortlich für das Projektmanagement von zentralen und gegenseitigen Anerkennungsverfahren, einschließlich Verfahren zur wissenschaftlichen Beratung.
2005 – 2007 hast du mit der Leitung der Stabsstelle für EU- und internationale Angelegenheiten beim BfArM diese Perspektive weiter vertieft. Auf EU-Ebene warst du stellvertretende Vorsitzende der QWP, Stellvertreterin unseres gemeinsamen Freundes Jean-Luis Robert.
Nicht nur in europäischen Gremien warst du vertreten, sondern auch international in der ICH Expertinnen Gruppe zum Thema Qualität, als EU Topic Lead und Rapporteurin für die Q1-Familie von Stabilitätsleitlinien sowie Q8 (Pharmazeutische Entwicklung). Auch auf ICH-Ebene haben sich unsere Wege wieder gekreuzt
Ich erinnere mich noch sehr gut an die ICH-Konferenz 2003 in Osaka. Nach Vorträgen und Diskussionen über Leitlinien und Harmonisierung der technischen Anforderungen für Arzneimittel-Prüfungen in den Weltregionen, haben wir in unserer Freizeit unter anderem Kyoto erkundet.
Wir spazierten gemeinsam auf dem Philosophenweg, unter Kirschbäumen, die im November leider nicht geblüht haben. Haben Gespräche über „Gott und die Welt“ geführt, Tee getrunken und Zen-Gärten besucht. Für alle die einen Zen Garten nicht kennen – es sind Sandflächen mit Sandhaufen, aber präzise gerecht, und wir waren fasziniert von der besonderen Ruhe dieser Orte, der Stille - die die seltene Gelegenheit geben, in der Hektik einfach einmal innezuhalten.
Du hast auch DE bei den HMA meetings vertreten, zuerst als Expertin des BfArMs - z.B. in der Strategie Arbeitsgruppe, und in späterer Folge warst du als Direktorin des EDQM dabei, denn 2007 bist du zur Direktorin des EDQM in Straßburg ernannt worden. Hast eine Aufgabe übernommen, die kaum internationaler und verantwortungsvoller sein könnte.
Dort hast du über viele Jahre nicht nur eine Organisation geführt, sondern sie auch strategisch weiterentwickelt, ihr Profil geschärft und neue Themenfelder erschlossen – von der Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen bis hin zu Fragen der Versorgung mit Pharmazeutika. Du hast internationale Zusammenarbeit gestärkt und dazu beigetragen, Gesundheitsstandards europaweit und darüber hinaus anzuheben.
Ein Erlebnis aus der Zeit der HMA Meetings möchte ich auch noch erwähnen, denn daran werden wir uns beide auch ein Leben lang erinnern - unser Abendspaziergang in Scheveningen: ein Spaziergang am Strand bei Sonnenuntergang, Gespräche, die weit über das Berufliche hinausgingen – und wir wären gerne am Strand geblieben, aber die Pflicht – auch social events der HMA zu besuchen, ermahnte uns die geplante Museumsausstellung von Piet Mondrian zu besuchen.
Ich glaube, seither erkennen wir all seine Bilder, egal wo sie hängen oder ausgestellt sind, die klaren Linien und Farbflächen! Vielleicht auch, weil sie ein wenig an deine Arbeitsweise erinnern: strukturiert, präzise, auf das Wesentliche reduziert – und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Natürlich möchte ich auch deine Aktivitäten im Studienlehrgang der DGRA erwähnen. Bereits seit dem 1. Lehrgang im Jahre 2000 - 2018 warst du als Lehrbeauftragte und Referentin im Modul „Chemisch-pharmazeutische Dokumentation“ tätig, von 2001 – 2016 (MDRA 17) hast du zusätzlich auch die Rolle der Modulleiterin übernommen. 20 Jahre lang bis 2022 warst du auch Mitglied des Vorstands als Beauftragte für die Fort- und Weiterbildung.
Und selbst im Ruhestand bringst du dich weiter ein – als Expertin und seit Kurzem auch als Vorsitzende im Steering Committee Certification des EDQM.
Die Verleihung der Walter-Cyran-Medaille würdigt herausragende Verdienste im Bereich der regulatorischen Aktivitäten. Liebe Susanne, du hast mit deinem Wirken – fachlich, organisatorisch - Maßstäbe gesetzt, daher diese Auszeichnung wirklich mehr als verdient.
Es ist mir eine große Freude, dir heute zu dieser wohlverdienten Auszeichnung zu gratulieren.
Prof. Dr. Christa Wirthumer-Hoche